Bierberater MüGro

International Beer Sommelier * Bierbotschafter IHK * Candidate of the Institute of Masters of Beer


Perspective by Badlands Brewing

Das müssen säckeweise Citra-Hopfen gewesen sein, die die guten Menschen von Badlands Brewing in Caledon (Ontario) in ihr Perspektive geworfen haben. Aus der heftig helltrüben Flüssigkeit im Glas strömen massive Hofenaromen, es duftet sozusagen cremig. Im Geschmack Zitrus, Papaya und Mango, dazu eine schnell wirksame, trockene Hopfenbittere. Hört sich nicht lecker an? Ist es aber. Köstlich. Nichts für Anfänger, man muss schon wissen, worauf man sich einlässt. Lohnt sich aber. Laut Dosenaufschrift ein IPA, eigentlich aber ein NEIPA, so saftig, fruchtig und bitter, wie es daherkommt.

IPA. Was ist das eigentlich? Gehen wir es buchstabenweise durch.

A wie Ale: Früher einmal die Bezeichnung für Biere ohne Hopfen (man verwendete stattdessen eine Kräutermischung). Als der Hopfen dann aufkam, nannte man das Hopfen-Gebräu Beer. Heute werden beide Begriffe nahezu synonym verwendet, wobei allerdings Ale obergärige Biere bezeichnet.

P wie Pale: hell. Wobei hell durchaus relativ ist. Da früher Biere fast immer eher dunkel waren, bezeichnete Pale einfach weniger dunkle bis helle Biere, somit durchaus auch solche, die wir heute nicht unbedingt als hell beschreiben würden.

Pale Ales sind also helle, obergärige Biere.

I wie India. India? Was hat Indien damit zu tun? Zur Zeit der britischen kolonialen Weltherrschaft wollten die Kolonialherren nicht unbedingt die regionalen Produkte der besetzten Gebiete verkosten, sondern natürlich die Köstlichkeiten aus der Heimat. Unter anderem das gewohnte (Pale) Ale. Damit das die weite Reise in die Kolonien überstand, musste es haltbar, also stärker gebraut werden. Stärker hieß: mehr Alkohol und mehr Hopfen. Mit den October Beers und den Stock Ales hatte man in UK bereits Erfahrung mit alkoholstärkeren Bieren. Mehr Hopfen wirkte zusätzlich konservierend. Marktführer für diese starken (India) Pale Ales war die 1752 von Georg Hodgson gegründete Londoner Bow Brewery, praktischerweise unweit der East India Company gelegen. Als Hodgson Konkurrenz bekam, ersann er den griffigen Markennamen India Pale Ale, erstmals verwendet in einer Anzeige im Liverpool Mercury am 30.1.1835. Bierstil und Bezeichnung landeten dann auch in den amerikanischen Ex-Kolonien, wo mit der Craftbier-Welle ab den 1980er-Jahren immer mehr und mehr Hopfen ins Ale kam, im New England IPA (NEIPA) dann schließlich so viel, dass es schier zum Fruchtsaft geriet.

Brauerei: https://www.badlandsbrewing.ca.