Heute haben wir sechs Jahrgänge Orval verkostet:
• Abgefüllt: 28.8.2012 (Best Before 2017)
• Abgefüllt: 30.1.2014 (BB 2019)
• Abgefüllt: 26.7.2016 (BB 2021)
• Abgefüllt: 4.1.2018 (BB 2023)
• Abgefüllt: 30.1.2020 (BB 2025)
• Abgefüllt: 25.8.2022 (BB 2027)
Orval ist ein Trappistenbier und wird seit 1931 in der Zisterzienserabtei Notre-Dame d’Orval in der belgischen Provinz Luxemburg gebraut. Das Kloster wurde 1132 gegündet, 1793 im Zuge der Französischen Revolution zerstört und 1926 wiedergegründet. Der Erlös aus dem Bierverkauf diente der Finanzierung des Wiederaufbaus. Das Rezept fürs Bier wurde entwickelt von einem Deutschen mit Namen Pappenheimer und zwei Belgiern, die zuvor Erfahrungen in England gemacht hatten – daher vielleicht der außergewöhnliche, vielfältige deutsch-englisch-belgische Geschmack. Das Bier eignet sich wie kaum ein anderes dieser Alkoholstärke (6,2%) für Reifung und Lagerung – das „Best Before“ kann man getrost außer Acht lassen.
Unsortierte Beobachtungen und Eindrücke bei der Verkostung:
• Je älter, desto mehr machen sich die Aromen der Brettanomyces-Hefe bemerkbar – sowohl im Aroma wie im Geschmack.
• Das 2018er und das 2020er schmecken rund und am besten ausgewogen, nahezu perfekt im Hinblick auf die Balance aus Hopfen- und Hefearomatik. Dazu mit einer buttrigen Note … insofern repräsentieren sie die deutsch-englisch-belgische Melange vielleicht am besten.
• Das 2022 hat ein blumiges, sehr hopfiges, ein wenig seifiges Aroma, das 2012er eine deutliche, typische Aromatik nach Pferdedecke. Je häufiger man vergleicht, desto deutlicher wird das. Von 2022 bis 2012 entwickelt sich diese Aromatik fließend wie eine Aroma-Tonleiter: Je jünger, desto mehr entfaltet der Hopfen seine Wirkung, je älter, desto schwächer wird er und die Hefearomatik übernimmt die Regie. Auch die Aromen von Karamellmalz und Kandis verlieren an Kraft.
• Das 2022 wirkt fast flach im Vergleich zu den älteren und ein wenig unreif.
• Das 2012er und das 2014er, das ebenfalls ein deutliches Pferdedeckenaroma hat, bieten im Geschmack auch weißweinige Noten.
• Das 2018er ist im Vergleich zum 2016er runder, harmonischer, während das 2016er durch die etwas deutlichere Brettanomyces-Note sozusagen Ecken und Kanten bekommt. Je länger man daran nippt, desto besser wird es. (20 Minuten später: eigentlich ist es das Beste. Bestätigt sich weitere 20 Minuten später.)
• Man schmeckt, dass in den 6 Flaschen das gleiche Bier ist. Wenn ich aber nur das 2012er und das 2022er zum Vergleich hätte? Ich weiß nicht, ob ich es dann nicht doch für zwei ganz verschiedene Biere halten würde.
6 Jahrgänge Orval
