Bierberater MüGro

International Beer Sommelier * Bierbotschafter IHK * Candidate of the Institute of Masters of Beer


Magnanimous Brewing Thiology

Thiology – schräger Name für ein Bier, klingt sphärisch. Hat aber was mit Aroma und sehr viel mit Lebensmittelchemie zu tun. Aber erstmal schauen, schnuppern, trinken.

Malzige Ananas ist der erste Aroma-Eindruck dieses schön gelb-orangen, hazy-trüben Bierchens, riecht süß und saftig – soweit man das riechen kann -, außerdem ein wenig nach Grapefruit, markant, aber doch angenehm balanciert. Im Geschmack dann sehr intensiv Mandarine. Am Gaumen eine adstringierende, trockene und reizvolle, anhaltende Schärfe, während auf der Zunge Grapefruit und Mandarine stichelnd in einen geschmeidig bitteren Abgang tanzen. Wenn man länger im Mund rumspült, breitet sich das Sticheln aus. Enorm moussierend im Mund, füllig und satt zuerst, dann doch leicht und erfrischend. Insgesamt sehr komplex und trotzdem thekentauglich, hazy und stark (10.5 % ABV) und dabei samtig leicht. Ich mag solche Gegensätze. Aber wenn es einem mit dem Bier ernst ist, trinkt man an diesem einen den ganzen Abend.

Zurück zum Anfang. Thiology? Kommt von Thiole. Thiole sind stark riechende flüchtige Stoffe, die zum hopfigen Charakter des Bieres beitragen. Viele der intensiven Fruchtcharaktere von stark gehopften Bieren werden durch Thiole im Hopfen verursacht – Sorten wie Citra, Mosaic, Cascade sind für diese Fruchtcharaktere bekannt. Thiole sind allerdings in extrem geringen Mengen im Hopfen (und übrigens auch im Malz und in vielen anderen Aromaträgern) und – kommen wir zum Problem – sind kleine Feiglinge und entfalten ihre Wirkung nur durch gutes Zureden. Den Job übernimmt die Hefe und das passiert wärend der so genannten Biotransformation bei der Gärung. So weit, so gut.
Neuerdings kann man Thiole auch zusetzten und damit die Fruchtaromen deutlich verstärken. Natürlich bewegt man sich dabei außerhalb des Reinheitsgebotes und sicher auch des Natürlichkeitsgebotes. Fürs Thiology nutzt die Brauerei Phantasm, ein Pulver aus der neuseeländischen Marlborough Sauvignon Blanc-Traube. Ersetzt den Hopfen nicht, intensiviert seine Aromen aber. Wie im Fall des Thiology von Magnanimous aus Florida die tropischen Aromen von Citra, Strata und Bru-1, Double Dry-Hopped.

Quellen und weitere Infos:

https://wb.camra.org.uk/2023/07/26/starting-a-new-thiologue

https://www.lallemandbrewing.com/en/canada/blog/what-are-thiols-and-their-role-in-hop-biotransformation/

https://www.probrewer.com/production/ingredients/hops/phantasm-the-magical-mystery-of-thiols-explained/

https://www.hopculture.com/phantasm-powder-hazy-ipa/

Extrem informativ, daher hier als Link und weiter unten als Download: https://www.brewersassociation.org/wp-content/uploads/2020/05/CBC-Online-Seminar-Presentation-Development-of-Thiols-and-Thiol-Precursors-in-Different-Hop-Varieties.pdf