Bierberater MüGro

International Beer Sommelier * Bierbotschafter IHK * Candidate of the Institute of Masters of Beer


Alkoholfreie Biere (to be continued)

30 Biere intus und immer noch nüchtern. Kein Problem mit Ohne-Mit-Bier. *Hüstel* Das sind doch diese alkoholfreien Biere? Ja. Alkoholfreie Biere leiden hier und da durchaus noch unter Vorurteilen, und ich bin, ehrlich gesagt, auch mit solchen ins Tasting gestartet. Jetzt bin ich bekehrt. Und habe natürlich trotzdem nicht nur gute Biere getrunken. Ich habe meine Favoriten rausgearbeitet und mich zugleich um eine objektive Bewertung aller Biere bemüht. Bier-Bashing mache ich nicht, aber der geneigte Leser wird merken, welche mir nicht so sehr gut geschmeckt haben. Alles in allem habe ich für mich auch ein paar allgemeine Erkenntnisse gesammelt, die ich in aller Bescheidenheit so zusammenfasse:

  1. Erwarte kein schlechtes Bier, sondern hoffe auf ein gutes alkoholfreies Bier. Meistens bekommst du das!
  2. Vergleiche alkoholfreie Biere nicht mit alkoholhaltigen Bieren. Man muss alkoholfreie Biere als Kategorie für sich betrachten (oder sich zumindest bemühen), sonst tut man ihnen unrecht. Daher also: Vergleiche alkoholfreie Biere mit alkoholfreien Bieren.
  3. Erwarte auch süße bis sehr süße Biere. Erwarte in vielen Fällen eher wenig Aroma und Geschmack. Erwarte vergleichsweise wässrige Biere. Aber: Süß, geschmacklich zurückhaltend und eher wässrig sind in diesem Fall nicht unbedingt negativ, sondern tendenziell stiltypisch (und teilweise produktionsbedingt). Das macht diese Bier allerdings leicht trinkbar, und genau das ist es, was diese Biere sein wollen – nicht viel anders als andere massenkompatiblen Langstreckenbiere.
  4. Auf der anderer Seite der aromatischen Leiter gibt es aber auch Alkoholfreie, die richtig viel Geschmack und Tiefe haben. Und nicht zu knapp.

Los geht’s, mein Tasting-Geschreibsel (in der Reihenfolge der Tastings, also mehr so zufällig und nach Lust und Laune; ich habe mich warmgeschrieben, wurde also mit der Zeit etwas genauer und umfangreichen; Farbe und Schaum waren in aller Regel sehr gut bis gut, beschreibe ich aber meist nicht, dafür sind die Fotos da):

Stadtbrauerei Spalt: Spalter Freiheit
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Versuch eines Bayerisch Hell ohne Alkohol. Im Aroma angenehm malzig, eine Spur Honig. Im Geschmack viel Malzsüße, eine vergleichsweise haltbare Bittere, aber der Geschmack verfliegt recht schnell.

Maisel & Friends Alkoholfrei
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Im Aroma grasige Noten, etwas blumig, etwas kräutrig, sehr hopfenbetont und weniger Malz, im Geschmack angenehm hopfig, bleibt vergleichsweise lang, milde Bittere.

BRLO Naked
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Im Aroma sehr fruchtige Noten, im Geschmack sehr süß, fast wie eine sehr süßer Softdrink.

Kehrwieder ü.NN. IPA alkoholfrei
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Unübertroffen vierschichtig und mehrdimensional, hopfig, kräutrig, malzig, ein wenig Gemüse, ein wenig Frucht. Im Geschmack behält das Bier seine Komplexität, ist nicht zu süß, sondern ausgewogen und wirklich großartig lecker. Das ü.NN ist ganz selbstbewusst ein echtes Bier: Riecht so, schmeckt so, ist eins. Laut Etikett ein IPA. Das passt. Und sogar ein extrem gut gelungenes IPA.

Wolfscraft brutal alkoholfrei
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Im Aroma leichte reife Früchte, ein bisschen gemüsig und ein Hauch Zitrus. Im Geschmack recht zurückhaltend, sehr süß, leichte Hopfennoten. Der Geschmack verfliegt recht schnell. Er wird aber tatsächlich angenehmer, wenn das Bier wärmer wird, aber die Süße bleibt dennoch sehr dominant.

Veldensteiner Alkoholfrei nach pilsener Brauart
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Im Aroma dominieren die Zitrusnoten, wenngleich sie eher leicht sind, aber ansonsten sind ohnehin nicht viele Aromen zu riechen. Der typische herb-bittere Pilsduft ist vorhanden, aber schwach und mehr nur zu erahnen als zu riechen. Im Geschmack ist das Bier angenehm unsüß und bringt eine milde aber spürbare Bittere mit sich. Sehr angenehm zu trinken.

Brew Dog Punk IPA Alkohlfrei
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Hopfenbetontes Bier, wie es sich für ein IPA gehört, sehr intensiv fruchtig, wie es sich für ein Punk IPA gehört, und dabei erfreulich wenig süß. Es hat eine schöne, adstringierende Bittere, die hängen bleibt.

Ratsherren Pilsener Alkoholfrei
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Ein trockenes, malzwürziges Pils, wenig süß, sehr angenehm, allerdings halten sich die Pils-typischen Zitrusaromen sehr zurück. Es ist herb und hat eine schöne nachhängende Bittere.

Riegele IPA Liberis 2+3
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Für ein alkoholfreies Bier sehr komplex. Malzsüß und brotig, fruchtig-hopfig aber auch Gras- und Heu-Noten machen sich bemerkbar, es hat einen kräftigen Körper, ist ausgewogen und vielschichtig. Ein ausgezeichnetes Bier.

Gotlands Bryggeri Easy Ride BullDog
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Bei diesem Kandidaten tut sich zwischen Geruch und Geschmack ein tiefer Graben auf. Der Geruch ist sehr angenehm: würzig und malzig, nichts deutet auf Süße hin. Im Geschmack ist dann eine deutliche Süße, dazu ist es für mich auf unangenehme Weise trocken-bitter und im Rachen kratzig. Wenn das Bier wärmer wird, wird’s besser, aber dennoch nicht überzeugend.

Finne Beach Brew Alkoholfrei
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Dies gehört zu den Bieren, die intensiv süßmaischig riechen, aber eben auf die sehr angenehme Weise. Die Süße bleibt auch im Geschmack, verbindet sich aber sehr schön mit fruchtig-erfrischenden Aromen. Frucht fängt Süße ein, könnte man sagen. Und auf diese Weise hat man ein sehr balanciertes Bier im Mund, das wirklich Lust auf den nächsten Schluck macht.

Lemke Berliner Perle Hell
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Wieder ein malzig süßer Vertreter, aber mit einer schönen Balance von Hopfen und Malz – wobei beide eher leicht rüberkommen. Ein bisschen Zitrusaroma rundet das Ganze ab, insgesamt sehr erfrischend und sehr gut umgesetzt.

Überquell Pillepalle alkoholfreies Ale
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Hefe mit Handicap steht auf der Flasche – also ist hier eine Hefe am Werk, die die Würze vergärt, ohne viel Alkohol zu erzeugen. Das Bier ist also kaum Süß, hat dabei intensive fruchtige und florale Hopfenaromen und eine angenehme Bittere, die gut in die Aromatik eingebunden ist und Lust auf den nächsten Schluck macht. Ein ganz wunderbares Alkoholfreies!

Maisel Weisse alkoholfrei
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In der Nase bietet das Bier die typischen Weißbieraromen Banane, Nelke und Brot, wobei die Nelke hier deutlicher ausgeprägter ist, als die anderen Aromen. Dazu kommt eine ganz leichte Rauchnote und würzige Noten. Im Geschmack sind die Aromen nicht so markant, wie der Geruch verspricht. Dennoch bietet dieses vollmundige Bier angenehme bananig-nelkige Töne und ist klar als Weißbier zu erkennen. Erfrischen und leicht!

Erdinger alkohlfrei
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Süß und brotig sind die Haupteindrücke in der Nase und im Geschmack. Auch ein erfrischender Trunk, was Erdinger ja in der Werbung mit der Betonung auf isotonisch und Sport doch immer recht deutlich macht. Es ist durchaus angenehm im Geschmack, die typischen Bananen- und Nelkenaromen sind aber eher kaum zu riechen und zu schmecken. Solide, leicht und schmackhaft.

Riegele Weisse alkoholfrei
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In der Nase leicht brotig, leichte Zirtusaromen, im Hintergrund Nelke, und das findet sich dann auch im Geschmack wieder. Angenehm balanciert, sehr gefällig im positiven Sinn, später dann, bei zunehmender Wärme entwickelt, sich der Geschmack, das Bier wird vielschichtiger und die Aromen kommen deutlicher zu Geltung.

Becks Blue alkholfrei
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Ein international Lager wie es (wahrscheinlich) sein soll, ergänzt um eine leichte Süße und eine Spur zu wenig Zitrus. Sonst aber hopfenbetont mit einem zurückhaltenden Malzkörper, und einer merklichen aber nicht übertriebenen Bittere, insgesamt sehr leicht und gefällig, ohne einen besonders prägnanten Geschmack. Wer international Lager mag, kann dies hier trinken, ohne viel zu vermissen. Insofern ist das vielleicht die Zukunft des globalen Lagerbieres: Schmeckt wie immer, aber ohne Alkohol.

Sünner Malz
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Warum nicht zwischendurch ein gutes altes Malzbier … ‚tschuldigung: einen guten alten Malztunk! Malzig süß, wobei die Süße durch die Röstmalznoten mit Kaffee- und Schokoaromen schön aufgefangen wird. Schmackhaft und sättigend.

BrewDog Nanny State Hoppy Ale
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Im Geruch ist Nanny State fruchtig, und angenehm hopfig, getragen von einer Basis aus Malz, aber ohne die Verheißung (oder Drohung) von zu viel Süße. Im Geschmack ist es schlank und trocken, löst aber für mich das geschmackliche Versprechen des Geruchs nicht ein. Die kräftige Bittere ist irgendwie leer und bleibt bei mir kratzig hängen.

Jever Fun
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Ein goldenes, klares Bier im Glas, Zitrus und ein Hauch Honig in der Nase, Süße auf der Zungenspitze und im Angang eine schöne Bittere, die bleibt. Die hopfenbetonte Bittere ist gut eingebunden und wenn es wärmer wird, macht sich der angenehme Malzkörper bemerkbar. Ein schöner Durstlöscher für Bitterfans.

Riegele Hell Alkoholfrei
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Dieses Riegele bietet einen leichten, aber stabilen Geschmack. Es ist sehr klar, gradlinig und schlank, nur leicht süßlich, hat leichte Zitrusaromen, ein wenig helles Brot und einen Hauch Honig im Geschmack und hinten raus eine gelinde Bittere. Ein astreines Erfrischungsbier am Abend eines heißen Tages.

Clausthaler Original
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Das war meine persönliche Überraschung. Das Clausthaler Original präsentiert sich als wirklich schmackhaftes, ausgewogenes, ausbalanciertes Bier mit Brot- und Zitrusnoten, leicht würzig, angenehm unsüß und einem Honighauch. Klassiker und auch ein wenig ein Klischee, aber wirklich zu empfehlen.

Clausthaler Extra Herb
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Diese Clausthaler-Variante ist sogar noch ein bisschen besser, als das Original. Hier stehen die grasigen und floralen Aromen des Hopfens  im Vordergrund. Es ist kantiger, tatsächlich herb und dennoch sehr rund und ausgewogen mit einer guten orangenartigen Bittere im Abgang. Nicht umsonst beim World Beer Award Deutschland preisgekrönt.

Kehrwieder Road Runner Coffee Stout alkoholfrei
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Das ist ja mal der Knaller. Ein Durstlöscher und Wachhalter mit Tiefgang und Komplexität. Aus dem sackschwarzen Bier steigen intensive Kaffee-, Röst- und Rauchnoten in die Nase, im Hintergrund kommt für mein Empfinden sogar ein wenig Orange durch, die der Aromahopfen mit sich bringt. Die intensiven Aromen machen sich auch im Geschmack deutlich bemerkbar, das Raucharoma hat beinahe etwas von Holz-Asche im positiven Sinne. Extrem aromatisch und geschmacklich breit aufgestellt trotz Abwesenheit von Alkohol, erkauft durch die Zugabe von Kaffeebohnen und Röstgerste – muss man mögen, ist nichts für Teetrinker, aber ich finde es wirklich herrlich.

Nittenauer Le Chauffeur FreIPA
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Sensationell. Wunderbar ausgeprägter Teppich tropisch-hopfiger Fruchtaromen – nicht aufdringlich oder erschlagend, sondern platziert über einem schönen Malzkörper, dazu grasige Hopfennoten, ein bisschen würzig, ein bisschen brotig, insgesamt komplex und vielschichtig. Der Geruch findet sich im Geschmack wieder, bei dem zuerst noch eine leichte Süße hinzukommt und dann schnell eine merkliche Bittere. Großartig! Passt bei Hitze auf der Terrasse und bei Kerzenlicht ins Restaurant, zum Beispiel als Aperitif oder zu Fisch und Nudeln.

Kehrwieder Coconut Grove Juicy Pale Ale Alkoholfrei
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Ananas! Aber von der auf der Flasche beidseitig angekündigten Kokosnuss kann ich nichts riechen oder schmecken. Was dem Bier nicht zum Nachteil gereicht. Die Aromen sind alles in allem nicht sehr intensiv, sondern sehr geschmeidig eingebunden und im Geschmack intensiver als im Geruch. Das alles und dazu ein angenehmes Mundgefühl und eine leichte Säure im Abgang machen dieses Bier zu einem schmackhaften und erfrischenden Sommerbegleiter und Pausenbier.

Nittenauer FreieLiebe Alkoholfreies Lager
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Die wunderbare Welt der alkoholfreien Biere. Wenn man sich auf dieses unbeschwerte Bier einlässt, wird man nicht enttäuscht. Ein astreines Lager mit Geschmack, leicht fruchtig, leicht süß-malzig, moderat bitter im Abgang, weiches Mundgefühl, insgesamt erfrischend und wieder mal ein schöner, leichter, unbedenklicher, bieriger Durstlöscher.

Nittenauer The Wit
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Im Geruch halten sich Orange und Koriander zurück, eine süß-malzige Note ist aber gut vernehmbar, wobei der Geruch sich bei zunehmender Wärme deutlicher ausprägt. Auch im Geschmack sind Orange und Koriander eher schüchtern im Hintergrund, aber präsent. Auf der Zunge liegt fein ein erfrischendes Gefühl, eine leichte Bittere ist da, es ist schlank und gut trinkbar, ohne viel Säure, sommerleicht, die Adstringens macht Lust auf den nächsten Schluck, und es bleibt eine  schöne Erinnerung an Belgien auf der Zunge zurück.

Guinness 0.0
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Es ist ein Guinness. Und das ist die wichtigste Botschaft dieses Stout. Will sagen: Es ist ziemlich nah am Original, wobei die leicht wässrige Textur des alkoholischen Vorbildes es vergleichsweise einfach macht, eine alkoholfreie Variante gut zu finden. Das 0.0 überzeugt durch Farbe, Schaum und schöne röstige und schokoladige Noten, es ist vergleichsweise wenig süß, erst hinten raus macht die Süße sich leicht bemerkbar und ist tatsächlich ein Gewinn, weil sie die Aromen unterstreicht und im Angang nochmal zur Geltung bringt. Wie das Orginal ein leichtes Stout, das nicht sättigt. Erstklassige Alternative zum Original. Fun Fact: 10 Dosen Guinness 0.0. decken ein Drittel des Kalorienbedarfes eines erwachsenen Mannes.

BrewDog Hazy Jane New England IPA
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Die Farbe und vor allem Haziness der Hazy Jane steht hinter alkoholischen Varianten dieses Bierstiles zurück, jedoch ist die Aromatik schnell klar: Ananas und Grapefruit steigen deutlich in die Nase, dazu eine Erwartung von erfrischender Säure. Die beiden Früchte sind auch im Geschmack dominant, in dem sich dann auch eine grasige Hopfennote bemerkbar macht. Es folgt die leichte Säure und ein trockener Abgang. Fruchtiges Sommerbier. Leicht zu verstehen und erfrischend erfrischend.

Und hier noch meine persönliche Hitliste (in alphabetischer Reihenfolge).

Meine Top-Favoriten

  • Kehrwieder ü.NN.
  • Kehrwieder Road Runner Coffee Stout
  • Nittenauer Le Chauffeur FreIPA

Weitere persönliche Favoriten

  • Brew Dog Punk IPA Alkohlfrei
  • Clausthaler Original
  • Clausthaler Extra Herb
  • Finne Beach Brew Alkoholfrei
  • Guinness 0.0
  • Kehrwieder Coconut Grove Juicy Pale Ale Alkoholfrei
  • Lemke Berliner Perle Hell
  • Nittenauer FreieLiebe Alkoholfreies Lager
  • Riegele IPA Alkoholfrei
  • Riegele Weisse alkoholfrei
  • Überquell Pillepalle alkoholfreies Ale

Stand 1.9.2023. Das Tasting wird bei Gelegenheit in weiteren Beiträgen erweitert.

Und hier die Bilder: