Bierberater MüGro

International Beer Sommelier * Bierbotschafter IHK * Candidate of the Institute of Masters of Beer


Windhoek Lager

Nicht nur IPA hat eine eng mit dem Kolonialismus verbundene Geschichte, auch das so harmlos benannte „Windhoek Lager“ hat seine Wurzeln in einer der vielen dunklen Epochen der Geschichte. Der deutschen Geschichte, wohlgemerkt.

Von 1884 bis 1915 war Namibia unter deutscher Kontrolle, zunächst als „Schutzgebiet“ Deutsch-Südwestafrika, dann als Kolonie. Der grauenvollste Höhepunkt war der Völkermord an den Herero und Nama durch deutsche Truppen zwischen 1904 und 1908. Diese historische Schuld ist bei den meisten Deutschen bis heute nicht wirklich im Bewusstsein verankert. Aber vor diesem Hintergrund muss man die Geschichte der Namibia Breweries Limited (NBL) sehen. Ab 1904 wurden in Namibia verschiedene kleinere Brauereien gegründet, damit die dort lebenden deutschen Kolonialherren und -damen schneller zu einem frischen Glas Bier kamen. Man wollte im eroberten Land leben, aber bitte mit heimeligem Heimatgefühl. Der Import aus der Heimat war aber nicht ganz so einfach. So entstanden die Omaruru Brauerei, die Kronenbrauerei, die Klein Windhoek Brauerei sowie die Felsenkeller Brauerei. 1920 – Namibia war mittlerweile unter Südafrikanischer Kontrolle – wurden die vier Brauereien von Carl List und Hermann Ohlthaver erworben, die diese zu den South West Breweries (SWB) mit Sitz in Windhoek zusammenschlossen. Erst 70 Jahre später erlangte Namibia seine Unabhängigkeit und die South West Breweries Limited firmierte um zu Namibia Breweries Limited. 2023 übernahm Heineken die Mehrheit. Die Jahresproduktion liegt bei 2,6 Millionen Hektoliter. Damit würde die Brauerei in Deutschland auf Platz 11 landen.

Windhoek ist die Hauptstadt Namibias. Der Name ist Afrikaans und leitet sich von „Windecke“ oder „windige Ecke“ ab. Zu Beginn der deutschen Kolonialzeit waren für die Stadt die Schreibweisen Windhuk wie auch Windhoek gleichermaßen gebräuchlich. Theodor Leutwein, von 1895 bis 1904 Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, hat 1903 als einzigen amtlichen Name der Stadt Windhuk bestimmt. Das Deutsche Auswärtige Amt nutzt die Schreibweise bis heute, das Lager der Namibia Breweries Limited nicht.

Und damit zum Bier.

Na ja … es ist ein Lager – nach dem Reinheitsgebot gebraut. Mit 4 Prozent Alkohol eher moderat, im Geschmack malzbetont mit einem blumigen Hauch, im Antrunk leicht süß, im Abgang mild bitter. Das Mundgefühl ist nicht unangenehm, die Kohlensäure zurückhaltend prickelnd. Kurz: Es macht, was es soll, und löst ein, was auf dem Etikett steht, ohne Ecken und Kanten und sehr gefällig. Und dabei macht es eine bessere Figur als so manches andere International Lager.


Quellen: