Bierberater MüGro

International Beer Sommelier * Bierbotschafter IHK * Candidate of the Institute of Masters of Beer


Gregorius aus Engelszell

Trappistenbier – vielleicht einer der großartigsten und seltensten Bierstile der Welt. Denn nur elf Brauereien weltweit dürfen Trappistenbier brauen. Die machen das alle mehr oder weniger erfolgreich, mehr oder weniger intensiv, aber immer gilt für die verantwortlichen Klöster und Mönche: Sie brauen, um zu leben, aber sie leben nicht, um zu brauen. Wenn morgen der Ewige aus dem Himmel heraus sagen würde: „Ich habe vor, alle Biere der Welt abzuschaffen, aber Du darfst eines nennen, das bestehen bleiben darf“, dann würde ich bestimmt „Trappistenbier“ brüllen. Denn strenggenommen, ist Trappistenbier gar kein Bierstil, sondern ein Oberbegriff, unter dem sich diverse Stile tummeln. Rouge, Triple, Witte, Dubbel, Bock, Quadrupel, Festbier, Zwickl, IPA … denkbar ist alles Mögliche, aber damit sie Trappistenbier sein dürfen, gilt:

  • Das Bier muss in der unmittelbaren Umgebung der Abtei hergestellt werden.
  • Die Herstellung muss unter der Aufsicht der Mönche oder Nonnen erfolgen.
  • Der Gewinn muss für die Bedürfnisse der klösterlichen Gemeinschaft, für Zwecke der Solidarität innerhalb des Trappistenordens oder für Entwicklungsprojekte und karitative Werke bestimmt sein.

Das sind die elf Brauereien (https://www.trappist.be/en/products/beers, Stand Juni 2024):

Belgien:

  • Chimay (Abtei Notre-Dame de Scourmont)
  • Orval (Abtei Orval)
  • Rochefort (Abtei Notre-Dame-de-Saint-Rémy)
  • Westmalle (Abtei Onze-Lieve-Vrouw van het Heilig Hart)
  • Westvleteren (Sint-Sixtusabdij)

Österreich:

  • Engelszell (Stift Engelszell)

Niederlande:

  • La Trappe (Abtei Koningshoeven)
  • Zundert (Brauerei De Kievit in der Abtei Maria Toevlucht)

Frankreich

  • Mont des Cats (Mont des Cats)

Italien:

  • Tre Fontane (Abtei Tre Fontane)

England:

  • Tynt Meadow (Mount Saint Bernard Abbey)

Im Glas habe ich heute das köstliche Gregorius vom Stift Engelszell. Mit 10,5 Prozent das wuchtigste unter den Engelszeller Bieren ist es auch geschmacklich ein Volltreffer. Dunkel und kräftig, malzig, dickflüssig moussierend, liegt im Mund wie ein Fudge aus Zucker, Butter, Milch und Sahne, verfeinert mit Trockenfrüchten und Sherry, nachhaltig intensiv, herrlich wärmend.

Ja, Trappistenbier würde ich brüllen. Und wenn der Ewige dann fragt, was das wohl ist (was er wahrscheinlich nicht tut, weil es ja alles weiß, aber wenn), dann würde ich sagen, „probier doch mal“, und dann käme er ganz schnell zur Vernunft. In diesem Sinne: Le Chaim, wie man auf Hebräisch sagt: Aufs Leben!