Ein Bier aus der Kategorie einmalig gebraut – eine Köstlichkeit also, die es nie wieder geben wird. Zwei Flaschen hatte ich, eine ist jetzt weg. Die Würze dieses Bieres kommt vom Brussels Beer Project – gelegen im Brüsseler Stadtquartier Dansaert – und hätte auch ein Stout werden können. Glücklicherweise wurde es auf der Autobahn – nomen est omen – nach Berlin geschickt und bei Ulrike Genz‘ Schneeeule vergoren. Das Ergebnis ist, man hätte nichts anderes erwartet, großartig. Malzig im Geruch, Toffee und Brot schwingen mit, mit zunehmender Wärme kommt ein Hauch von Sauerkirsche dazu. Im Mund beansprucht die markante Säure Aufmerksamkeit, Malz und Fruchtigkeit gesellen sich wunderbar harmonisch hinzu, und das Bier überzieht die Zunge mit einem dünnen, öligen Film. Die Bittere kann man vernachlässigen, aber von hinten rollt eine feine Adstringenz nach vorne, löst den öligen Film auf und fordert die Schleimhaut heraus, die sogleich nach dem nächsten Schluck dürstet. Ein anspruchsvolles Bier, das trotzdem sehr leicht trinkbar und erfrischend ist – wie eigentlich alle Biere der Schneeeule, die für meinen Geschmack die Balance aus Niveau, Kreativität und Drinkability immer wieder exzellent hält. Cheers.
Autobahn
