Masham in Yorkshire hat bescheidene 1.400 Einwohner und ist gesegnet mit zwei Brauereien, die noch dazu enge familäre Verbindungen haben: Der Gründer der Black Sheep Brewery ist Mitglied der Brauerei-Familie Theakston. Gegründet hat er die Brauerei 1992, nachdem und weil seine Familie die 1827 gegründete Theakston Brewery verkauft hatte. Mittlerweile hat ein Investoren die Black Sheep Brewery übernommen und vor der Pleite gerettet, die Theakston Brewery hingegen ist von der Familie zurückgekauft worden. Ironie der Geschichte.
Nachdem wir 2023 die Brewery-Tour bei Black Sheep gemacht haben, waren wir heute bei Theakston. Es handelt sich dabei um eine von drei noch betriebenen Viktorianischen Turm-Brauereien (die anderen sind Hook Norton in den Cotswolds und Harvey’s in Lewes bei Bighton). Turm deswegen, weil der Brauprozess der Schwerkraft folgend von oben nach unten erfolgt: unterm Dach schroten, eine Etage darunter Maischen und Würzekochen, wieder eine darunter im „Hop Back“ den Hopfen von der Würze trennen, also Läutern, wobei weiterer Hopfen zur Aromatisierung hinzugefügt werden kann. Von dort geht es weiter durch den Würzekühler in die Gärbottiche.
Die Schrotmühle ist von 1906, der Maischebottich (Mash Tun) von 1875, der Würzekocher (Copper) aus den 1930er-Jahren. In der Brauerei gibt es nur eine Mash Tun und nur einen Copper. In einem Braugang werden 12 Barrel Bier gebraut, das entspricht rund 1.400 Litern. Gebraut wird ein- bis zweimal pro Tag. Vor Ort in Masham braut Theakston nur Biere für Casks, die in Pubs im Ort sowie der näheren und ferneren Umgebung gehen. Biere, die in Flaschen oder Kegs gefüllt werden, werden unter der Aufsicht des Headbrewers anderswo im Auftrag gebraut.
Die Brauerei in Masham ist kompakt und einfach zu verstehen. Dort ist das Brauen noch echtes traditionsreiches Handwerk – erkennbar auch daran, dass man sich einen Böttcher (oder Küfer oder auf englisch Cooper) leistet, ein Mitarbeiter also, der Hozfässer herstellt. Einen Computer gibt es wahrscheinlich auch irgendwo, im kleinen Labor oder ganz bestimmt in der Buchhaltung, im Sudhaus ist keiner zu finden. Ein Brauer, der aus dem Jahr 1875 in unsere Gegenwart reisen könnte, käme hier sofort bestens zurecht.
Bevor ich es vergesse: Die Ales der Theakston Brewery sind absolut hervorragend und gehören sicherlich zu den besten in ganz Großbritannien. Außergewöhnlich gut sind vor allem das Best Bitter und das legendäre Old Peculier, laut Des De Moor (Cask: The true story of Britain’s unique beer culture, 2023, Seite 137) „eines von Großbritanniens berühmtesten Bieren“ und das „bekannteste Beispiel“ für den Bierstil Old Ale (auch Stock Ale oder XXXX Ale genannt).
Früher war es übrigens durchaus üblich, dass Kunden in einem Pub eine Mischung aus Best Bitter und Old Peculier bestellt haben. Das Bitter war als leichtes Bier (3,8 % ABV) vergleichsweise günstig, das Peculier mit 5,6 % ABV stärker eingebaut und daher teurer. In der Kombi hatte man also ein erschwingliches Ale mit mittlerer Alkoholstärke. Und es schmeckt wunderbar, ich habe es im Taproom der Brauerei probiert. Eine schöne Melange aus den Aromen beider Ales: Röstnoten vom Malz sowie subtile Noten von Kirsche und Banane aus Hopfen und Hefe im Old Peculier, bittersüße Bisquit-Aromen mit einem Stich Butternoten im Best Bitter.










