Bierberater MüGro

International Beer Sommelier * Bierbotschafter IHK * Candidate of the Institute of Masters of Beer


Faust Auswandererbier

Was vermisst man als Deutscher im Ausland am meisten? Bier nicht, denn auf der ganzen Welt gibt es hervorragendes Bier. Ein Roggensauerteigbrot schon eher. In Polen und Österreich findet man das noch, im Rest der Welt sieht es duster aus. Früher war das auch beim Bier so – zumindest in Übersee. Der Auswanderer der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte durchaus Grund zur Sorge, wenn er sich auf den Weg in die Vereinigten Staaten machte. Wegen dem, was kam, und oft auch wegen dem, was er hinter sich ließ. So erging es auch dem Sohn des Besitzers der 1654 gegründeten Löwenbrauerei in Miltenberg (Bayern), August Krug, der sich 1849 als Teilnehmer der niedergeschlagenen 1848/49-Revolution aus dem Staub machen musste und in die USA emigrierte. Sein Vater Georg Anton gab ihm ein Bier mit, das er ordentlich stark einbraute und hopfte, damit es die Fahrt überstand und sein Sohn lange etwas davon hatte. Im Jahr darauf folgte der Vater dem Sohn nach Milwaukee, wo der unterdessen die August Krug Brewery gegründet hatte. Als Buchhalter hatte er einen gewissen Joseph Schlitz – einen Auswanderer aus Mainz – engagiert, der nach Augusts Tod 1856 dessen Witwe heiratete und die Brauerei weiterführte – bald schon unter dem Namen Joseph Schlitz Brewing Company. 1902 war die Schlitzbrauerei die größte der Welt.

Die Löwenbrauerei in Miltenberg war unterdessen in den Besitz von Johann Adalbert Faust gekommen, wurde allerdings erst in den 1960-Jahren in Brauhaus Faust umbenannt. Vor einigen Jahren hat man dort das beeindruckende Sortiment an Bieren um das Auswandererbier erweitert – gebraut in Anlehnung an Aufzeichnungen von Georg Anton Krug. Ein ob seiner Stärke (7% ABV) und Hopfigkeit zurecht als Imperial IPA bezeichnetes und also obergäriges Bier, dessen robuster, brotiger Malzkörper die markanten, fruchtigen und blumigen Hopfenaromen trägt. Ob es dem August genau so geschmeckt hat, wie uns Heutigen? Fraglich, denn die Zutaten werden wohl kaum identisch sein, Naturprodukte eben. Und die verwendeten amerikanischen Hopfen gabs damals auch noch nicht. Die hat erst die Craftbeer-Bewegung mit sich gebracht. Diese Spitzfindigkeiten schmälern das Trinkvergnügen nicht im Geringsten. Ein wirklich hervorragendes Ale, ob im Sommergarten, am Winterkamin oder unter Segeln auf dem Ozean.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/August_Krug_(Brauer)
https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Schlitz
https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Schlitz_Brewing_Company
https://faust.de/ueber-uns/unsere-geschichte