Bierberater MüGro

International Beer Sommelier * Bierbotschafter IHK * Candidate of the Institute of Masters of Beer


Festbiere am Sonntag

Sieben Festbiere standen auf dem Sonntagsprogramm im Haus des Bierberaters. Drei Biere, die man auch auf dem Oktoberfest bekommt, eines, das vielleicht eines Tages dort ausgeschenkt wird, zwei vom bayerischen Land und als Bonus eins mit Weizen, also obergärig und somit eines, das nie im Leben als Oktoberfestbier durchgehen könnte. Machen wir es kurz: Mein persönlicher Gewinner ist das Ayinger Festmärzen. Es ist traumhaft bernsteinfarben, kräftig in der Nase, markant im Mund, hat viel Charakter, herrlich brotige Noten, einen rundum überzeugenden Geschmack und zur Abrundung eine ganz leichte Bittere im Abgang. Wirklich herrlich. Beim Test bin ich übrigens davon ausgegangen, dass man eine Maß nicht blitzeschnell austrinkt, sondern das Bier auch noch überzeugen muss, wenn es etwas wärmer wird. Das tut das Ayinger.

Die anderen Biere in aller Kürze:

  • Paulaner: goldig, hell, malzig, leicht süß, wird wärmer brotiger und also etwas markanter.
  • Augustiner: goldig und hell, grasig in der Nase, zuerst ein wenig zu gefällig, gewinnt aber, wenn es Temperatur annimmt. Wir hatten es aus der Flasche, nicht zu vergleichen mit dem „Original“ als dem Holzfass. Aber einen Hirschen wollen wir uns jetzt nicht ins Wohnzimmer stellen.
  • Hacker-Pschorr: orange- bis bernsteinfarben, herzhaftes Aroma, im Geschmack angenehm ausdrucksvoll, verliert aber ein wenig, wenn es wärmer wird. Kommt trotzdem auf Platz 2 bei der Gesamtwertung.
  • Giesingers nigelnagelneues Festbier empfand ich persönlich als vertane Chance, wenn man bedenkt, was diese Brauerei sonst so auf den Markt bringt. Hier hätte man meines Erachtens einen geschmacklichen Punkt setzen können, so aber ist es ein Festbier wie die meisten: gefällig und Mainstream, tut keinem weh, macht aber auch keine richtige Freude.
  • Erl Bräu Erlkönig Festbier: 2016 Bayerns bestes Festbier beim European Beer Star. Goldig und brotig, schmackhaft und sehr gelungen. Kommt auf Platz 3.
  • Schneiders Festweisse: Ein wenig außer Konkurrenz. Aber Schneider ist immer spitze, so auch dieses. Mehr nelkig als bananig, herrlich süffig. Man ist sofort ins Weisse Bräuhaus Im Münchener Tal versetzt und will was bayerisch Deftiges auf den Teller. Maximal schmackhaft und in diesem Feld konkurrenzlos.

Festbier, Oktoberfestbier, Münchener Bier

Festbier ist seit längerem als Bierstil anerkannt und zum Beispiel in den Style Guidelines des US-amerikanischen Beer Judge Certification Program oder den Kategorien des European Beer Star beschrieben. Ein Bier, das diesen Beschreibungen entspricht oder zu entsprechen meint, kann sich Festbier nennen. „Oktoberfestbier“ hingegen ist seit dem 21. Oktober 2022 eine europaweit geschützte Ursprungsbezeichnung und geschützte geografische Angabe. „Oktoberfestbier“ darf sich in Europa (!) demnach ein Bier nennen, dessen

  • Brauwasser aus dem Münchener Stadtgebiet aus den Tertiärschichten der Münchener Schotterebene stammt,
  • Zutaten ausschließlich Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser sind
  • dessen gesamter Herstellungsprozess beginnend beim Schroten im Gebiet der Stadt München stattfindet.

Auch „Münch(e)ner Bier“ ist eine geschützte Ursprungsbezeichnung und geschützte geografische Angabe und zwar schon seit dem 18. Juli 1998. „Münch(e)ner Bier“ darf ein Bier heißen, wenn es

  • mit Brauwasser aus dem Münchner Stadtgebiet aus den Tertiärschichten der Münchener Schotterebene hergestellt wurde,
  • der gesamte Herstellungsprozess beginnend beim Schroten im Gebiet der Stadt München stattgefunden hat.

Der Unterschied zwischen beiden ist, dass Münchner Bier unter- und obergärig sein und also auch mit Weizen gebraut sein darf, Oktoberfestbier ist immer untergärig und nur mit Gerste hergestellt. Und: „Das Oktoberfestbier ist das von den im geographischen Gebiet ansässigen Brauereien speziell für das Oktoberfest eingebraute Bier, das dort in erheblichen Mengen ausgeschenkt wird.“

Kann man in der eAmbrosia-Datenbank der Europäischen Kommission nachlesen: https://ec.europa.eu/agriculture/eambrosia/geographical-indications-register. Aber Vorsicht, alles Rechtsdokumente, also sehr einfach zu lesen und gar nicht komplex, ist ja klar.

Und damit: Prost, dass d’Gurgl net verrost’t!