Hopfen … für uns heute die entscheidende Zutat im Bier, mal mehr mal weniger ausschlaggebend für das Aroma, aber in Deutschland laut Gesetz einzig erlaubte Zutat neben Malz, Hefe und Wasser (sowie bei obergärigem Bier auch Zucker) und auch sonst auf der Welt nicht wegzudenken, sieht man einmal von reinen Kräuterbieren ab. Am Übergang von Mittelalter zur Renaissance, also so ungefähr vom 13. bis 16. Jahrhundert, hat sich Hopfen mehr und mehr und dann endgültig als fast einzige würzende Bierzutat durchgesetzt.
Hopfen lässt sich jedoch schon seit der Steinzeit vielfach nachweisen – einen schönen Überblick bietet Karl-Ernst Behre in seinem schon 1999 erschienen Aufsatz “The history of beer additives in Europe — A review” im Fachmagazin “Vegetation History and Archaeobotany”.
Das kleine und reich bebilderte Buch “Mit Leier und Schwert. Das frühmittelalterliche Sängergrab von Trossingen” von Barbara Theune-Großkopf (Likias-Verlag 2022) bietet ein wie ich finde besonders schönes Beispiel für den Nachweis von Hopfen. Es beschäftigt sich mit Grab 58 des Gräberfeldes von Trossingen in Baden-Württemberg. Das Grab wurde im Herbst 580 angelegt, beerdigt wurde ein rund 40 Jahre alter Mann. Aufgrund der Beschaffenheit des Bodens sind organische Materialien überwiegend sehr gut erhalten, unter anderem Holz.

Neben einer großen Menge Grabbeigaben wie Schwert, Lanze, Tisch und Stuhl sowie einer Leier fand man auch zahlreiche Pflanzenreste, unter anderem Zweizeilige Gerste, die vermutlich in einem Grabstrauß aus reifem Getreide verarbeitet war. Zweizeilige Gerste wird heute in Mitteleuropa beim Brauen am häufigsten eingesetzt.
Eine für Biernerds besonders erwähnenswerte Beigabe ist aber eine Feldflasche aus Ahorn (siehe Foto – Repro aus dem Buch). Die chemische Analyse ließ vermuten, dass die Flasche einstmals Bier enthielt, weitere praktische Untersuchungen mit Unterstützung durch einen Braumeister und das Institut für Brauereitechnologie Weihenstephan ergaben: “Der Mann aus Grab 58 bekam seine Flasche mit Starkbier gefüllt, das aus Gerstenmalz gebraut, gehopft und mit Honig angereichert worden war.” (S. 95) Auch in den vielen Pflanzenresten konnte man Hopfen nachweisen, in so geringer Menge allerdings, dass er vermutlich zufällig mit ins Grab geriet. Aber immerhin: Hopfen im Grab und im Bier – einmal mehr ein spannender Blick in die Vergangenheit unseres Lieblingsgetränkes.
