Seit es Bier gibt, werden Herstellung und Konsum reguliert.
Das berühmte und sogenannte Reinheitsgebot ist nur eines von vielen Regelwerken. Die moderne Variante in Deutschland heißt ganz unromantisch “Vorläufiges Biergesetz” und ist ein eher trockener Genuss.
Aber warum gab und gibt es überhaupt Regeln für Bier?
Dafür gibt es ganz verschiedene Gründe.
Steuereinnahmen.Klar: Regierungen und Staat wollen mitverdienen. Dagegen ist nichts einzuwenden, immerhin fließen unsere Steuergelder in Dinge, die uns allen zugutekommen, zum Beispiel Schulen oder Straßen.
Ex- und Import. Um die heimische Wirtschaft zu beleben und sich vor billigen Importen zu schützen, die den eigenen Brauerei schaden, gab und gibt es Regeln, die Import und Export steuern. Das galt früher beispielsweise für freie Städte oder Herzogtümer in Abgrenzung zum umliegenden Land oder anderen Herzogtümern ebenso wie heute für Länder.
Versorgung der Bevölkerung. Bier war über lange Zeit hinweg ein Grundnahrungsmittel. Besser als Wasser von zweifelhafter Qualität, sättigend und nährstoffreich. Gleiches galt für Brot und andere Produkte aus Getreide. Um die Getreideversorgung zu sichern, brauchte man Regeln, welches Getreide in welchen Mengen für welche Produkte verwendet werden durfte.
Gesundheit. Produzenten von Lebensmitteln können nicht machen, was sie wollen. Man muss regeln, mit welchen Zutaten Lebensmittel hergestellt werden dürfen.
Qualität. Zutaten dürfen nicht nur nicht schädlich sein, es geht auch um eine möglichst hohe Qualität. Dann sind die Produkte nicht nur noch gesünder, auch der wirtschaftliche Erfolg ist ein bisschen sicherer und damit die Steuereinnahmen höher und auch der Export erfolgreicher.
Produktsicherheit. Bier kann man je nach Sorte, Herstellungsweise und Temperaturen nicht zu jeder Zeit gleich gut herstellen und lagern – zumindest früher vor Erfindung der künstlichen Kühlung. Damit das Bier nicht verdirbt, musste man bei Brau- und Lagerzeiten Regeln beachten.
Ausbildung. Berufsausbildungen brauchen Standards, damit die Auszubildenden überall das Gleiche lernen – oder zumindest überall die gleichen Grundlagen haben.
Marketing. Ein reguliertes Qualitätsversprechen ist auch ein Instrument der Selbstdarstellung. Und damit sind wir wieder beim viel kritisierten, aber weltweit anerkannten sogenannten Reinheitsgebot. Oder auch solcen Regularien wie “geschützte geografische Angabe” für Bier, das innerhalb bestimmter Grenzen und auf ganz bestimmte, festgelegte Weise hergestellt wird.
Aus all diesen Gründen gab und gibt es über alle Zeiten hinweg Regeln für
- Bierzutaten (Stichwort: Malz und Hopfen)
- Zutatenmengen (Stichwort: Malzrationierug und Kriegszeiten)
- Bierpreise (Stichwort: Marktregulierung und Steuereinnahmen)
- Brauzeiten (Stichwort: Sommersudverbot)
- Importzölle (Stichwort: Schutz der heimischen Wirtschaft)
- Exportbegrenzungen (Stichwort: Versorgung der Bevölkerung)
- Regionale Herstellung (Stichwort: “Münchner Bier” oder “Oktoberfestbier”)
Das Alles bedeutet natürlich nicht, dass Regeln immer gut sind. Oder dass man Regeln nicht ändern kann. Oder dass Regeln die Kreativität zurecht begrenzen. Oder dass das Reinheitsgebot für ewig gelten soll. Regeln sind immer auch geändert worden. Und immer gab es Gründe.