Wir glauben heute gerne, die wichtigsten Entwicklungen im Bereich Bier seien im 19. Jahrhundert erfolgt. Man muss aber zur Kenntnis nehmen, dass die entscheidenden Grundlagen im Mittelalter und der Renaissance gelegt worden sind.
- Der Siegeszug des Hopfens,
- der Aufstieg des internationalen Exports,
- bis heute nachwirkende, wegweisende und prägende Regularien und Gesetze für Bier und Brauen,
- Biersorten,
- die Entwicklung des Brauwesens vom Heimbrauen zur Industrie (vom Ein-Frau-Betrieb zum Unternehmen mit differenzierten Arbeitsbereichen und überwiegend männlichen Angestellten),
- ein stetig Mehr an Bürokratie,
- Beziehungen zwischen Brauereien und Gastronomie und
- die Entwicklung des Biervertriebs –
das alles und vieles mehr ist zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert passiert.
Ohne das sähe die Biergeschichte des 20. Jahrhunderts vollkommen anders aus.
Die sogenannte Craftbeer-Bewegung ist da nur ein kleiner Teil der Geschichte, der uns heute sehr beschäftigen mag, der aber strukturell nichts Neues ist – außer vielleicht in den USA mit ihrer ganz eigenen Biergeschichte.
Aber einen scheinbar grenzenlosen Zuwachs von Brauereien und einen darauf folgenden Niedergang zugunsten weniger großer Brauereien hat es auch früher gegeben. Auch die Zunahme und der dann wieder dramatische Rückgang des Bierkonsums inklusive der Verteufelung des Bieres ist historisch nichts Neues – wenngleich die Gründe heute andere sind.
Der Umstand, dass eines der heute weltweit beliebten Biere – IPA – nach einem auch schon seit mindestens 200 Jahren bekannten Bierstil benannt ist, spricht Bände. Und wer meint, die Vielfalt der Biersorten sei heute größer, der lese das Buch von Heinrich Knaust von 1575, der darin 150 deutsche Biersorten aufzählt.
Das Buch “Beer in the Middle Ages and the Renaissance” von Richard W. Unger, 2007 erschienen, ist ein beinahe unerschöpflicher Fundus an Fakten und historischen Ereignissen, allesamt in einem 52 Seiten langen Anhang umfangreich belegt. Dazu kommt ein 17 Seiten langes Literaturverzeichnis. Die Analysen von Unger sind stimmig und bieten viel Stoff zum Nachdenken. Ein Muss für jede und jeden an Biergeschichte Interessierten, die oder der über den Tellerrand unserer Zeit schauen will.
