Bierberater MüGro

International Beer Sommelier * Bierbotschafter IHK * Candidate of the Institute of Masters of Beer


Liefmanns Goudenband

Zweifellos eines der wirklich großen Biere: Liefmanns Goudenband. Es war das Lieblingsbier von Rosa Merckx. Sie war 1946 von Paul Van Gheluwe, dem damaligen Besitzer der Liefmans Brauerei, als Sekretärin eingestellt worden, weil sie fließend Französisch, Englisch und Niederländisch sprach. Ihr geschäftlicher Scharfsinn und ihr sensorisches Feingefühl fielen schnell auf und sie machte Karriere. Sie arbeitete in der Produktion, bei der Analyse von Bieren, nahm Einfluss aufs Brauen und begann selbst zu brauen. 1956 regte sie an, das Ijzerenband in Goudenband umzubenennen. 1972, nach dem Tod Paul Van Gheluwes, wurde sie Chefin der Brauerei. 

Nach ihrer Pensionierung haben die nachfolgenden Brauereibesitzer wenig Erfolg, schließlich übernimmt die Familie Moortgat, Besitzer der Brauerei Duvel, die Liefmanns Brouwerij, und es geht wieder aufwärts – auch dank Rosa Merckx, die 2008, mit 84 Jahren, in ihre Brauerei zurückkehrt. 2023 stirbt “Madame Rose” – die große Frau der belgischen Biergeschichte, deren Konterfei, mit Glas in der Hand, bis heute die Flaschen von Liefmanns ziert.

Dem Stil nach handelt es sich beim Liefmanns Goudenband um ein Oud Bruin Sauerbier, ganz ähnlich einem Flanders Red Ale, jedoch nicht wie dieses bis zu 24 Monaten in Holzfässern gereift, sondern 4 bis 12 Monate in Edelstahlfässern, wodurch Oud Bruins in Sachen Säure nicht so zur Sache gehen, sondern insgesamt milder daherkommen. 

In der Nase dominieren Kirsch und dunkle Malznoten, bemerkbar machen sich aber auch dunkle Trockenfrüchte, Karamell, ein Hauch Gewürze, die für mich eine ganz ferne Erinnerung an Weihnachten mit sich bringen, sowie Noten von Rotwein. Im Geschmack kommt zuerst eine schöne Süße, die sich auf dem Weg über die Zunge verliert und abgelöst wird von einer anregenden und erfrischenden, nicht zu intensiven, sondern fein eingebundenen Säure, die auf der Zunge ein angenehm pelziges Gefühl zurücklässt. Im Geschmack sind Kirsch- und Mazipannoten tonangebend, getragen von einem trockenen, leicht karamellisierten Malzgeschmack – wobei die Aromakomponenten harmonisch im Einklang sind. Ein ebenso rundes und harmonisches wie komplexes und anspruchsvolles Bier. 

Kirschen sind übrigens keine drin – für diese Aromen sorgt das Zusammenspiel von Malz und Hefe.