Gelegentlich werde ich gefragt, warum ich in Yorkshire Urlaub mache – genauer gesagt: in den Yorkshire Dales. Weil es dort schön ist, sage ich. Ehrlich gesagt könnte ich dort den Rest meines Lebens verbringen. Die Fragenden sind mit der Antwort in der Regel nicht zufrieden, und sie ist ja auch nicht besonders tiefschürfend. Auch der Hinweis auf die großartigen Pubs und erstklassigen Brauereien ändert daran nicht viel. Ich will versuchen, die Frage besser zu beantworten.
Vor ein paar Tagen sind meine Frau und ich wieder einmal im Upper Wharfedale von Buckden nach Hubberholme gewandert. Es war bestes Wanderwetter. Rund 20 Grad, langsam treibende Wolken mit Öffnungen zum blauen Himmel, durch die die Sonne pliert, kein Regen. Für Regen sorgt der Ewige hier sonst oft und das sieht man. Die Landschaft ist ein Meer aus Grün, und kein Grün wie das andere: Dunkelgrün, Hellgrün, Blassgrün, Perlgrün, Brilliantgrün, Patinagrün, Pastellgrün, Leuchtgrün, Laubgrün, Blattgrün, Farngrün, Moosgrün, Weißgrün, Graugrün, Grüngrün, Schwarzgrün, Blaugrün, Braungrün, Olivgrün.
Auf den Hügelhöhen stehen Wälder, Haine, einzelne Bäume bis hoch zu den blanken, runden Kuppen. Auf den Hängen nah und fern hingetüpfelte Schafe und Wiesen wie samtgekämmt, gerahmt von feinen Mauern aus grobem Stein, die den Hügel emporschlängeln. Dazwischen wie hingestreut weißer nackter, grober Fels und große Brocken, aus denen Bäume wachsen. Aus der Ferne sind sich Felsen und Schafe zum Verwechseln ähnlich. Unzählige kleine Täler, wie mit einem stumpfen Tortenmesse eingeschnitten, von Bächen und Flüssen eingefurcht, rinnen ins breite Tal des Wharfe. Im Talgrund Häuser, Höfe und kleine Dörfer hinter engen, spitzen Bruchsteinbrücken. Hier und da Ruinen alter Ställe, Grundmauern verfallener Höfe, die von harten Zeiten und Landflucht zeugen. Felder sanft geschwungen, harte Kanten, graugrüne Steinmauern, Wege, Gatter, Kühe. Dazu der Soundtrack dieser Landschaft: Flussgeplätscher und Schafsgeschrei, Vogelschrei und Windgerausche. Und am Schluss hinter der Kirche ein Pub am Bach: The Georg Inn, ein weiß getünchtes Bruchsteingebäude mit kleinen, vielversprechenden Fenstern.
Bei unserem letzten Besuch war Ed der Landlord, nun hat Greg das Inn gekauft, aber er ist so herzlich wie Ed, serviert immer noch hervorragende, ganz in der Nähe gebraute Biere, hier, inmitten von Gottes eigenem Land, denn so nennen die Einheimischen ihr Land, die Täler Yorkshires, in denen man bleiben möchte, um stundenlang auf Hänge und Höhen, Schafe, Flüssen und Steine zu schauen. Mit einem Bier in der Hand. Das hätte auch dem Ewigen gefallen. Und für einen Moment würde er denken, dass gut ist, was er sieht. Auch der Ewige darf mal eitel sein, hier in seinen Tälern, in denen man sich verlieren kann, weil das Gebrüll der Welt da draußen so fern ist.




