Oft liest man, dass alkoholfreies Bier immer beliebter wird. Schaut man in die Statistiken, sieht man schnell, dass Ausstoß und Verbrauch in absoluten Zahlen seit Jahren nahezu identisch sind. 2015 lag der Ausstoß von alkoholfreiem Bier in Deutschland bei 6.400 hl, 2023 bei 6.650. Beim Bier insgesamt sank der Ausstoß von 95.600 hl auf 84.900. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier lag 2016 bei 102 Litern, 2023 nur noch bei 88 Litern, bei alkoholfreiem Bier lag er 2015 wie 2023 bei 7,9 Litern. (Quelle: https://brauer-bund.de/statistiken)
Das bedeutet: Es wird insgesamt weniger Bier produziert und getrunken, das Alkoholfreie hat absolut nicht zugelegt, aber in der Relation natürlich sehr wohl. Das verkürzte Sprüchlein “alkoholfrei wir mehr” stimmt also nur relativ.
Und trotzdem heißt das natürlich, dass Alkoholfreies seinen Marktanteil vergrößert hat. Kein Wunder also, dass mehr und mehr Brauereien ein Alkoholfreies ins Sortiment nehmen. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Ein Paukenschlag war es, als die Münchner Traditionsbrauerei Augustiner in diesem Jahr ein Alkoholfreies auf den Markt gebracht hat. Es war offensichtlich so gut, dass es schnell beinahe ausverkauft, zumindest um so schwerer zu bekommen war, je weiter weg von München man sich befand. Der Getränkemarkt meines Vertrauens – gut vernetzt und exzellent bestückt – hatte mir keine Hoffnung gemacht, vor Sommer 2025 ein paar Flaschen ergattern zu können. Da war es umso großartiger, dass Martina Liese von Liesls Biererlebnis (www.lieslsbiererlebnis.de) mir netterweise zwei Flaschen aus ihrem Vorrat von München ins Rheinland geschickt hat.
Was soll man sagen? Es ist wirklich gut. Dem Geruch nach ist es eindeutig ein getreidiges Helles, wobei sich der Geruch mit zunehmender Wärme abschwächt. Im Antrunk ist es viel weniger süß als so manches Konkurrenzprodukt, kommt gut im Mund an und ist auch da noch geschmacklich stiltypisch. Nach hinten raus hat es das Problem von fast jedem Alkoholfreien: Die produktionsbedingte Restsüße macht sich bemerkbar, der Geschmack flacht ab, es ist ein wenig wie bei einem guten Popsong, der dann leiser und leiser wird, und man denkt, da kommt bestimmt noch was, und dann kommt nichts, und das Lied ist aus.
Gut, das ist ein wenig unfair. Man sollte alkoholfreie Biere nicht mit dem alkoholhaltigen Original vergleichen, sondern als eigenständiges Produkt nehmen. Aber wenn halt “Hell” auf der Flasche steht?
Sei es wie es sei: Das alkfreie von Augustiner macht nichts falsch und alles in allem eine gute Figur. Eingängig, erfrischend, das ideale Bier für heiße Sonnentage im Biergarten oder als Durstlöscher nach der Gartenarbeit oder für Teilnehmer am Straßenverkehr. Fürs Foodpairing empfiehlt es sich, auf allzu deftige, geschmacksintensive Speisen zu verzichten, das Bier würde verlieren. Leichte Sommersalate, Fisch (nicht geräuchert) oder auch ein einfacher Streuselkuchen passen sicher gut. Interessant wäre es auch als Starter beim Beertasting. Ob da jeder draufkommt, dass es weniger als 0,5 % hat?
Augustiner alkoholfrei
