Zwick(e)l – liest man gelegentlich auf Bierflaschen. Aber was bedeutet es?
Das Wort Zwickel steht für allerlei, zum Beispiel bezeichnet man damit in der Kugelgeometrie eine Punktmenge auf einer Kugel, die von zwei halben Großkreisen begrenzt wird, auch Zweieck genannt. Klar soweit? Naja. Hat aber auch nix mit unserem Thema zu tun. Da geht es vielmehr um den 𝖅𝖜𝖎𝖈𝖐𝖊𝖑hahn, mit dessen Hilfe der Braumeister eine Probe aus dem Lagertank zapft, um die Qualität des Biers zu testen. Er 𝖟𝖜𝖎𝖈𝖐𝖊𝖑𝖙 und das Bier ist das 𝖅𝖜𝖎𝖈𝖐𝖊𝖑𝖇𝖎𝖊𝖗. Es ist ungefiltert und daher naturtrüb, und weil der Lagertank im Keller steht, nennt man es auch Kellerbier. Ursprünglich ist es im Grunde das gerade so eben fertige und noch nicht in Flaschen oder Fässer abgefüllte Bier, das, so der Beer Style-Guide der European Beer Consumers Union, “tend to taste distinctly beery but a bit unrefined”. Und weil es trotzdem lecker schmeckt, hat man es dann doch – ohne ihm weitere Zeit zum Reifen zu geben – direkt abgefüllt und als “Kellerbier” verkauft.
Die Bezeichnung “Zwickl – naturtrübes Kellerbier” auf der Flasche der Privatbrauerei Reh ist also wie ein Wink mit drei Zaunpfählen und sollte die Genusserwartung in bestimmte Bahnen lenken. Wenngleich Kellerbier von sehr hell bis dunkel daherkommen und auch geschmacklich vielfältig sein kann, abhängig von der Art der Bieres – oder wie es in den us-amerikanischen BJCP Beer Style Guidelines heißt: Aroma, Geschmack und Mundgefühl “reflect base style.” Denn ähnlich wie beim englischen Cask ist Kellerbier mehr eine Art, Bier zu servieren, als ein eindeutiger Bierstil.
Und trotzdem hat der Kunde ja eine bestimmte Erwartung, und die erfüllt das Zwickl von Reh-Bier ganz hervorragend. Es ist ein goldgelbes, geradliniges, bodenständiges und unkompliziertes Bier, klassisch, rustikal, hat einen feinen Malzcharakter mit einer leichten Honignote und einer markanten, aber harmonisch eingebundenen Hopfenbittere. Passt wunderbar zur Brotzeit und zu deftiger, fränkischer Wirtshausküche, aber auch zu leicht scharfen Speisen aller Art.
Die Privatbrauerei Reh ist übrigens in Litzendorf im Ellertal beheimatet, einem oberfränkischen Dorf mit 6.307 Einwohnern und 5 Brauereien, also einer Brauerei auf ca. 1.261 Menschen, Kinder, Abstinenzler und Weintrinker eingeschlossen. Na dann, Prost!
https://www.reh-bier.de
Zwickl – naturtrübes Kellerbier
