Es war einmal eine Zeit, da verzichtete man in der Fastenzeit auf Essen und trank stattdessen Bier. Kräftiges und nahrhaftes Bier. Heutzutage macht jeder, was er will. Ich für meinen Teil trinke weiter Bier, fördere jedoch die temporäre Abstinenz der besten Ehefrau der Welt, indem ich mich an den meisten Abenden auf alkoholfreies Bier kapriziere. Das mag sie nämlich gar nicht und das führt sie also nicht in Versuchung.
Den Anfang macht Störtebekers “Frei-Bier”. Netter Name. Das Wort “alkoholfrei” gibt einem ja immer das ungute Gefühl, um etwas betrogen zu werden. Freibier hingegen verspricht einen Gewinn. Es handelt sich um ein Pils von goldgelber Farbe und glanzfein, wie es sich gehört. In der Nase hat man malzige und grasige Noten. Die Bittere ist im Trunk klar wahrnehmbar, die bei Alkoholfreien erwartbare Süße eher nicht, was ein Pluspunkt für das “Frei-Bier” ist. Im Abgang ist die Bittere stabil, das Adjektiv “herb” auf der Flasche ist also nicht gelogen. Davon abgesehen: Ein klares und eingängiges Bier ohne Ecken und Kanten und ohne viel Potenzial für ausufernde Gedanken. Und damit erfüllt es seinen Daseinszweck einwandfrei.
Störtebeker: „Frei-Bier“
