Bierberater MüGro

International Beer Sommelier * Bierbotschafter IHK * Candidate of the Institute of Masters of Beer


Porter-Brauerei Guinness

Teil 1: Porter und Stout

Porter – ein 300 Jahre alter Bierstil. Zumindest dem Namen nach, der seit 1721 mit einem Bier verbunden ist.[1] Entstanden ist es dann aber als solches Ende des 18. und vor allem Anfang des 19. Jahrhunderts in London in Konkurrenz zu den immer beliebteren, gehopften, hellen Bieren – Burton Ale – als stärkere, hopfigere, gereifte, weniger süße Variante des englischen Braunbieres.[2] Es war schnell vor allem bei den Londoner Trägern (Porter) beliebt, die stets schwer zu tragen hatten (sie lieferten Waren und be- und entluden Schiffe im Londoner Hafen) und daher ein kräftiges, nahrhaftes Bier vertragen konnten. Porter und Stout sind Geschwister.

Stout als Adjektiv heißt zunächst einmal übersetzt nichts anderes als “stark”oder “dick” bzw. “mutig” oder “entschlossen”.[3] Die erste Verbindung des Wortes zum Bier findet sich 1630 in einem Gedicht von Robert Herrick:

If smirking wine be wanted here
There’s that which drowns all care, stout beer.[4]
(Wenn man hier nach einem Wein sucht, der zum Schmunzeln anregt
gibt es das, was alle Sorgen ertränkt: starkes Bier.”

Eine weitere Erwähnung im Zusammenhang mit Bier findet sich 1677 in einem Brief: “We will drink you health both in stoutt (!) and best wine.”[5] Natürlich bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen, welche Art Bier damit jeweils genau gemeint war. Aber weitere Erwähnungen folgen, und Ende des 18. Jahrhunderts wird es dann in Verbindung zum Porter genannt: “The porter brewers called the strongest versions of their beer ‘brown stout’, sometimes ‘stout porter’, to distinguish it from pale stout.”[6] Cornell nennt weitere Beispiele, unter anderem Anzeigen aus The Times 1797, 1800 und 1807. Mit der Zeit wurde Stout als Substantiv mehr und mehr ein Begriff, der exklusiv ein dunkles Bier bezeichnete, und ab den 1840ern waren “the two great centres of stout brewing (…) London and Dublin”, was damals ja noch zum British Empire gehörte. Der Unterschied, so Cornell weiter, war, dass “the Irish brewers, or at least Guinness, used pale malt and patent roasted malts, while the London brewers used brown malt as well.”[7] In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich die Rezepte für Stout und Porter weiter auseinander. Und doch scheint man auch damals schon keinen rechten geschmacklichen Unterschied zwischen beiden gefunden zu haben: “… most writers on beer made no particular difference between Irish and London stouts”[8].

Auch heute ist es eine beliebte Frage bei Bierseminaren, welcher Unterschied wohl zwischen Stout und Porter besteht. Einmal davon abgesehen, dass die Marktdurchdringung von Guinness bei Konsumenten ohnehin den Eindruck hinterlässt, dass nur diese Brauerei Stout macht. Was auch daran liegt, dass Porter im 20. Jahrhundert vom Aussterben bedroht war, während der Guinness-Tukan von Erfolg zu Erfolg flog. Obgleich beide Stile nach wie vor viele Ähnlichkeiten aufweisen – Aromen von Röstmalz, Schokolade, Kaffee -, ist bei Porter in der Regel auch eine mehr oder weniger deutliche Hopfennote vorhanden.[9] Porter ist hopfiger als Stout, die Röstaromen gehen eher in Richtung Schokolade, bei Stout sind die Hopfenaromen gering und die Röstaromen gehen eher in Richtung Kaffee.[10]

Stout gibt es in zahlreichen Varianten, die BJCP 2021 Beer Style Guidelines listen beispielsweise folgende auf: Irish Stout, Irish Extra Stout, Sweet Stout, Oatmeal Stout, Tropical Stout, Foreign Extra Stout, American Stout und American Imperial Stout. Der bekannteste Vertreter des Stils wird – wie gesagt – von Guinness in Dublin produziert. Stout ist obergärig und verwendet neben hellen Basismalzen, einen geringeren Anteil geröstetes Gerstenmalz für die Röstaromen und die tiefdunkle Farbe sowie unvermälzte Gerste[11].

Teil 2: Guinness

“Dublin, 1868: Als der Patriarch der Familie Guinness stirbt, halten seine vier Kinder, die alle ein dunkles Geheimnis hüten, das Schicksal der Brauerei in ihren Händen.”[12] So lautet der Teaser-Text zur Netflix-Serie “House of Guinness”. Die Serie kam weltweit ganz gut an, nur in Irland nicht: “Irish critics hate it. They hate the depiction of Ireland’s history, hate the dialogue, hate the costumes, hate the lighting.”[13] Wenig überraschend, ist die Serie auch nur ziemlich lose an wahren Begebenheiten interessiert: “The series, which bills itself as fiction inspired by a true story, is loosely based on the fact that a Guinness patriarch died in 1868, leaving his four adult children to take over a brewing empire that dominated inner-city Dublin and exported beer around the world.”[14]

Der geradezu gigantische Erfolg der Brauerei  ist allerdings unumstritten. Wie genau das passieren konnte, ist schwer zu sagen, hängt aber ohne Zweifel mit einer geschickten Werbestrategie zusammen, durch die Guinness’ Stout zugleich zum Massenprodukt und zum Kult geworden ist. Und für viele Biertrinker ist es der Einstieg in die Welt der dunklen Biere. Besonders die Zapftechnik – 30 Prozent Kohlendioxid und 70 Prozent Stickstoff[15] – und der damit entstehende feinporige, feste und cremige Schaum, oft dekoriert mit den Umrissen eines Kleeblattes, erfreut viele Bierfreunde wieder und wieder.

Die Geschichte von Guinness[16] beginnt 1759 und zeugt von geradezu frechem Weitblick: Am 31. Dezember 1759 pachtete Arthur Guinness – seit 1755 Brauer in Leixlip (County Kildare) – das Grundstück, auf dem bis heute die St. James’s Gate Brauerei in Dublin steht, für 9.000 Jahre. Schon einige Jahre später war seine Brauerei offenbar erfolgreich genug, um die Pacht abzulösen und das Grundstück zu erwerben. Ab 1769 wurde Guinness-Bier nach England exportiert. Anfangs war Guinness eine Ale-Brauerei, ab 1778 begann man damit, auch Porter zu brauen, ab 1799 braute man nur noch Porter. In den 1840ern nutzten die ersten Guinness-Biere die Bezeichnung “stout“ (“Single Stout”, “Double Stout”) und der Begriff “Stout” änderte seine Bedeutung: er meinte nicht mehr starke Biere, sondern dunkle, cremige Biere.[17]

1838 war Guinness die größte Brauerei Irlands, 1886 die größte Brauerei der Welt.[18] Die Brauerei-Geschichte im 20. und 21. Jahrhundert entbehrt jeder Romantik und ist eher Gesprächsthema am Stammtisch der Wirtschaftshistoriker, als dass sie das Herz des Bierliebhabers erwärmt: “Das Unternehmen fusionierte 1997 mit Grand Metropolitan zu Diageo plc, dessen Marktkapitalisierung 2006 bei etwa 40 Milliarden Euro lag.”[19]

Während man in den 1980er-Jahren noch durch Dublin schlendern und dem Geruch folgend die riesige Brauerei finden konnte[20], ist St. James’s Gate heute ein ebenso beeindruckendes wie geruchsneutrales Brauereigelände und -museum von nach wie vor ehrfurchtgebietender Größe.[21] Zu allem Überfluss wird Guinness aber nicht nur dort, sondern in 50 Ländern gebraut[22].

Zum Portfolio von Guinness gehören – nebem dem gelegentlich im Überschwang der Nostalgie gebrauten Guinness West Indies Porter – unter anderem Guinness Draught, Guinness Extra Stout (je nach Land bis zu 6% ABV), Guinness Foreign Extra Stout (7,5% ABV), mit dem Hop House 13  aber auch ein helles Lagerbier und mit dem 0.0 ein augezeichnetes alkoholfreies Stout. Verkaufsschlager und Hauptprodukt ist – und bleibt es mutmaßlich – das klassische Stout mit 1.883.200.000 verkauften Pints pro Jahr. Die meisten Pints werden übrigens nicht in Irland, sondern in Großbritannien, Irland, Nigeria, den USA und Kamerun verkauft.[23] Sláinte!


[1] Cornell, Martyn: Amber, Gold and Black. The History of Britain’s Great Beers. Stroud 2010, 56

[2] Cornell, 54

[3] https://www.oxfordlearnersdictionaries.com/definition/english/stout_1?q:
stout = strong and thick, brave and determined

[4] Zitiert nach Cornell, 79

[5] Zitiert nach Cornell, 79; siehe auch: https://www.oed.com/dictionary/stout_n2?tab=factsheet#20460599

[6] Cornell, 80

[7] Cornell, 82

[8] Cornell, 85

[9] https://members.camra.org.uk/learn-discover/the-basics/beer-styles (abgerufen am 30.10.2025, zitiert als Camra Styles: “balanced by a hoppy character”

[10] https://www.bjcp.org/wp-content/uploads/2025/02/2021_Guidelines_Beer_1.25.pdf, S. 24 und 27

[11] https://www.guinness.com/de-de/biere/guinness-draught; Foster 2014

[12] https://www.netflix.com/de/title/81664250 (abgerufen am 4.11.2025)

[13] https://www.theguardian.com/world/2025/oct/01/irish-critics-netflix-series-house-of-guinness-ireland  (abgerufen am 4.11.2025)

[14] ebda.

[15] https://web.archive.org/web/20101011063808/http://www.guinness.de/main/downloads/
04_01_pressemappe_internorga.pdf (abgerufen am 4.11.2025)

[16] https://www.guinness.com/de-de/unser-handwerk/guinness-geschichte

[17] Vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/Guinness (abgerufen am 6.12.2025)

[18] https://en.wikipedia.org/wiki/Guinness_Brewery und https://de.wikipedia.org/wiki/Guinness-Brauerei (abgerufen am 4.11.2025)

[19] https://en.wikipedia.org/wiki/Guinness_Brewery (abgerufen am 4.11.2025)

[20] So berichtet es meine Frau aus eigener Erinnerung.

[21] https://www.guinness-storehouse.com/en/home (abgerufen am 4.11.2025)

[22] https://www.diageo.com/en/our-brands/brand-explorer/guinness (abgerufen am 4.11.2025)

[23] https://www.guinness.com/de-de/haufig-gestellte-fragen (abgerufen am 4.11.2025)