Zum ersten: Gutmann Himalaya Weizeneisbock. Mhd überschritten – absichtlich. Bei einem Bier dieser Stärke ist das nicht ganz, aber fast egal. Eineinhalb Monate drüber machen jedenfalls nichts aus, im Gegenteil sollte ein solches Bier sogar besser werden, wenn die Aromen Zeit haben, im Alkoholbad zu reifen. Hierbei handelt es sich zudem um ein Bier, das man als “Limited Edition 2025” nicht mehr bekommt, zumal es ein Kollaborationsbier von Gutmann und der nepalesischen Barahsinghe Brauerei ist. Große Freude also, dieses Schätzchen jetzt probieren zu dürfen – und mit dem Platzhirsch der deutschen Eisböcke zu vergleichen.
Hell ist es und entwickelt kaum Schaum. Bei einem Alkoholgehalt von 11,5 Prozent war das auch kaum zu erwarten. Aus dem Glas steigt ein ungemein kräftiges und typisches Eisbock-Bouquet, alkoholisch und fruchtig, und weckt die Erwartung eines leicht süßlichen, intensiven Trinkerlebnisses. Im Mund ist es denn auch kräftig und intensiv; natürlich alkoholisch. Konzentrierte phenolische Aromen, vor allem Banane, machen sich breit, Noten von Honig, Wein und englischem Karamell – Fudge – ergänzen dieses eindrucksvolle Geschmackserlebnis, das lange nachwirkt. Zum Abschied bleibt im Rachen eine leichte alkoholische Schärfe hängen, nicht störend, weil rund und weich eingebunden. Alles in allem: ein (wärmendes) Erlebnis!
Zum zweiten: Aventinus Eisbock. Dunkel – deswegen muss der Vergleich mit dem Himalaya hinken. Aber es war zu verführerisch, sie, wenn man sie schon mal beide Zuhause hat, parallel zu verkosten. Die Herstellungsweise und die zu erwartende Konzentration von Aromen sind ja zumindest gleich. Und sonst? Also diese Farbe! Ein herrliches, ins Rötliche gehendes Mahagoni. Das kräftig dunkelweizenmalzige Bouquet beeindruckt beim ersten Riecher: Sehr reife, in Alkohol getränkte Banane und ein Hauch dunkler Brotkrume machen sich bemerkbar. Die alkoholische Note scheint gut eingebunden. Der Eindruck bestätigt sich im Trunk: Die Aromen sind intensiv und eindrucksvoll: Weizenmalzig, fruchtig-aromatisch, würzig, ein deutlicher Hauch Karamell, ein bisschen Waldhonig … und im lang anhaltenden Abgang eine leicht würzige Schärfe. Immer wieder ein sensationelles Erlebnis. Souverän, charaktervoll, nicht nur stiltypisch, sondern stilprägend.
Und der Vergleich? Gleicher Stil, zwei außergewöhnlich gute Brauereien, beide Biere sind Weltklasse. Und doch zwei verschiedene Biere mit eigenen Stärken. Schwächen kann ich keine finden. Spannend ist, dass das Gutmann Himalaya Weizeneisbock deutlich alkoholischer schmeckt, als der Aventinus Eisbock. Aber bedusseln tun sie beide gleich gut.
Wohl bekomms!
Zwei Eisböcke – nicht vergleichbar und doch verglichen.
